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Ludwig von Mises als Pionier der modernen Geld- und Konjunkturlehre


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Ludwig von Mises als Pionier der modernen Geld- und Konjunkturlehre Im Mittelpunkt des Buches steht nicht Mises als der "Marx der Liberalen", sondern der Nationalökonom und Konjunkturtheoretiker, dessen Thesen in der aktuellen Debatte äußerst stiefmütterlich, wenn überhaupt behandelt werden. Der Grund ist nach der Lektüre des Buches offensichtlich. Im offiziellen Diskurs der Wirtschaftswissenschaften wird die nicht gedeckte Papiergeldwährung nicht ernsthaft in Frage gestellt. Dadurch muss ein Geldtheoretiker, dessen zentraler Gedanke die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung des Goldstandarts war, quasi automatisch in den Ruf des Anachronismus kommen. Carsten Pallas zeigt, dass Mises dennoch als "Pionier der Konjunkturtheorie" seinen unbestreitbaren Platz im Pantheon der Wirtschaftsklassiker verdient. Pallas zeichnet seinen Weg als Geldtheoretiker vom Schüler von Böhm-Bawerk über seine Tätigkeit in der Wiener Handelskammer bis hin zu seiner wissenschaftlichen Außenseiterposition in den Vereinigten Staaten nach und untersucht seinen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik. Pallas konstatiert eine erstaunliche Kontinuität seines Denkens, dass von seinem ersten großen Werk "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel" bis zu seinen Spätschriften sich im Kern nicht grundsätzlich gewandelt, sondern nur auf die veränderten Zeitumstände reagiert habe. Ausgangspunkt von Mises Konjunkturtheorie war die Leugnung der Neutralität der Geldvermehrung. Geldvermehrung würde vielmehr durch die Wirkung auf die Vermögensverteilung die wirtschaftliche Basis selbst verändern, was Mises als Gegner jedes Interventionismus strickt ablehnte. Daraus entwickelte Mises seine Überinvestitionstheorie, die besagt, dass eine übermäßige Ausweitung des Kredits zu Fehlinvestitionen führen muss. Anders als Keynes sah er in der Kreditausweitung also nicht die Lösung sondern, die Ursache großer Wirtschaftscrashs wie dem von 1929. Mit seiner konsequenten Gegnerschaft zu staatlichen Interventionen konnte Mises weder in Europa noch in den USA in der Epoche des Keynsianismus und des New Deal durchdringen. Das Fazit über die politische Wirkung fällt dann bei Pallas auch eher ernüchternd aus. Als der Keynsianismus in den sechziger Jahren schließlich langsam an Strahlkraft einbüßte, war es der Aufstieg des Monetarismus, der eine Renaissance seines Denkens verhinderte. Obwohl Mises das Vordringen ins Zentrum des Diskurses also zeitlebens verwehrt blieb, findet Pallas erstaunlich viele Elemente im heutigen Zentralbankensystem, die eher dem Misstrauen Mises gegenüber dem Staat als dem Planungsoptimismus von Keynes entsprechen. Pallas hat ein sehr wichtiges Buch vorgelegt, das dazu beitragen kann, dass Mises nicht mehr nur länger der Gottvater von radikalen Liberalen, Crash-Theoretikern und Goldanlegern bleibt, sondern wieder von einer breiteren wirtschaftswissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit diskutiert wird, oder wenigstens dazu anregt, die zitierten Werke selbst zur Hand zu nehmen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Im Mittelpunkt des Buches steht nicht Mises als der "Marx der Liberalen", sondern der Nationalökonom und Konjunkturtheoretiker, dessen Thesen in der aktuellen Debatte äußerst stiefmütterlich, wenn überhaupt behandelt werden. Der Grund ist nach der Lektüre des Buches offensichtlich. Im offiziellen Diskurs der Wirtschaftswissenschaften wird die nicht gedeckte Papiergeldwährung nicht ernsthaft in Frage gestellt. Dadurch muss ein Geldtheoretiker, dessen zentraler Gedanke die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung des Goldstandarts war, quasi automatisch in den Ruf des Anachronismus kommen. Carsten Pallas zeigt, dass Mises dennoch als "Pionier der Konjunkturtheorie" seinen unbestreitbaren Platz im Pantheon der Wirtschaftsklassiker verdient.

Pallas zeichnet seinen Weg als Geldtheoretiker vom Schüler von Böhm-Bawerk über seine Tätigkeit in der Wiener Handelskammer bis hin zu seiner wissenschaftlichen Außenseiterposition in den Vereinigten Staaten nach und untersucht seinen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik. Pallas konstatiert eine erstaunliche Kontinuität seines Denkens, dass von seinem ersten großen Werk "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel" bis zu seinen Spätschriften sich im Kern nicht grundsätzlich gewandelt, sondern nur auf die veränderten Zeitumstände reagiert habe. Ausgangspunkt von Mises Konjunkturtheorie war die Leugnung der Neutralität der Geldvermehrung. Geldvermehrung würde vielmehr durch die Wirkung auf die Vermögensverteilung die wirtschaftliche Basis selbst verändern, was Mises als Gegner jedes Interventionismus strickt ablehnte. Daraus entwickelte Mises seine Überinvestitionstheorie, die besagt, dass eine übermäßige Ausweitung des Kredits zu Fehlinvestitionen führen muss. Anders als Keynes sah er in der Kreditausweitung also nicht die Lösung sondern, die Ursache großer Wirtschaftscrashs wie dem von 1929. Mit seiner konsequenten Gegnerschaft zu staatlichen Interventionen konnte Mises weder in Europa noch in den USA in der Epoche des Keynsianismus und des New Deal durchdringen. Das Fazit über die politische Wirkung fällt dann bei Pallas auch eher ernüchternd aus. Als der Keynsianismus in den sechziger Jahren schließlich langsam an Strahlkraft einbüßte, war es der Aufstieg des Monetarismus, der eine Renaissance seines Denkens verhinderte. Obwohl Mises das Vordringen ins Zentrum des Diskurses also zeitlebens verwehrt blieb, findet Pallas erstaunlich viele Elemente im heutigen Zentralbankensystem, die eher dem Misstrauen Mises gegenüber dem Staat als dem Planungsoptimismus von Keynes entsprechen.

Pallas hat ein sehr wichtiges Buch vorgelegt, das dazu beitragen kann, dass Mises nicht mehr nur länger der Gottvater von radikalen Liberalen, Crash-Theoretikern und Goldanlegern bleibt, sondern wieder von einer breiteren wirtschaftswissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit diskutiert wird, oder wenigstens dazu anregt, die zitierten Werke selbst zur Hand zu nehmen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.

geschrieben am 26.09.2006 | 389 Wörter | 2575 Zeichen

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