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Welche Politik schafft Arbeitsplätze? Eine empirische Überprüfung theoretischer Behauptungen


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Welche Politik schafft Arbeitsplätze? Eine empirische Überprüfung theoretischer Behauptungen Es gibt eine breite Diskussion darüber welche Wirtschaftspolitik Arbeitsplätze schafft. Thomas von der Vring setzt sich in seinem Buch mit der empirischen Beweisbarkeit der verschiedenen Annahmen auseinander. Von der Vring versucht die im Raum stehenden Thesen zu Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum anhand der Daten für die Bunderepublik im Zeitraum 1992 bis 2002 zu überprüfen. Von der Vring stellt fest, dass in dem Untersuchungszeitraum Steuererhöhungen, zusätzliche Staatsausgaben und mehr Beschäftigung miteinander korrelierten. Außerdem ergibt sich aus seinen Zahlen eine größere Bedeutung der Binnennachfrage als der Exportwirtschaft. Von der Vring begründet damit die beschäftigungsfördende Wirkung höherer Löhne und von mehr staatlicher Beschäftigung. Von der Vring, der der SEP-Fraktion im Europaparlament angehörte, findet also weitgehende die tradidionelle sozialdemokratische Wirtschaftspolitik bestätigt. Ein Punkt, an dem von der Vring stark von der traditionellen sozialdemokratischen Wirtschaftspolitik abweicht, ist die Frage der Staatsverschuldung. Vring möchte zwar zusätzliche Staatsausgaben, hält es aber für falsch, diese mit zusätzlichen Schulden zu finanzieren. Von der Vring bestreitet, dass es die Möglichkeit gibt, die Wirtschaft mit Schulden "anzukurbeln". Von der Vring möchte statt dessen die Steuern dauerhaft erhöhen und mit den Mehreinnahmen öffentliche Beschäftigung finanzieren. Der Autor sieht durch seine statistischen Ergebnisse das sogenannte Haavelmo-Theorem bestätigt. Dies besagt, dass die Ausweitung des Staatsanteils zu einer Ausweitung des Wachstums führt. Wenn man die Logik des Theorems einmal zu Ende denkt, so kommt man zu dem Ergebnis, dass bei einer 100 prozentigen Besteuerung das Wachstum am Größten wäre. Dies ist ein theoretischer Einwand, es gibt aber auch einen Einwand gegenüber dem statistischen Ergebnis, der noch stärker ins Gewicht fällt: An zwei Stellen erwähnt von der Vring, dass die spezielle Lage in Ostdeutschland eine Rolle spielen könnte. Er geht aber auf diese historische Rahmenbedingung nicht weiter ein. Das ist aber der springende Punkt und die Archillesverse der gesamten Argumentation. Denn diese Ausnahmesituation der Wiedervereinigung verzerrt das gesamte Ergebnis. Die Steuer- und Abgabenerhöhungen der neunziger Jahre flossen zum größten Teil in die Transferzahlungen für die neuen Bundesländer. Dort erzeugten die staatlichen Investitionen vor allem im beschäftigungsintensiven Bausektor ein fast zweistelliges Wachstum. Ein solches Wachstum ist nur in einem Wirtschaftsraum zu erreichen, der von einer sehr niedrigen Basis ausgeht. Unter historischen "Normalbedingungen" können staatliche Ausgaben schwerlich einen vergleichbaren Effekt auslösen. Von der Vring kann überzeugend belegen, dass für den Beschäftigungsstand die Industrie nicht mehr die Bedeutung besitzt, die ihr die Statistik und die Wirtschaftswissenschaften noch immer beimessen und das sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Dienstleistungssektor richten muss. Die Ergebnisse bestätigen die These von Hans-Werner Sinn, dass sich die deutsche Exportwirtschaft immer stärker aus Importen speißt, was Sinn als „Basar-Ökonomie“ bezeichnete. Dies ist ein Grund, warum sich die großen Exporterfolge nur noch begrenzt positivauf den Zuwachs der Beschäftigung auswirken können. Es lässt sich daher auch gut begründen, dass für diesen bereits sehr stark ausgelagerten und rationalisierten Sektor die Lohnkosten nur noch von begrenzter Bedeutung sind. Daraus zieht Von der Vring die Schlussfolgerung, dass höhere Löhne durch die positive Auswirkung auf die Nachfrage nach Dienstleistungen stärker ins Gewicht fallen als mögliche Wettbewerbsnachteile durch die Hochlohnpolitik. Richtig ist, dass der tertiäre Sektor derjenige ist, der die größten Beschäftigungspotentiale bietet. Von der Vring vernachlässigt jedoch, dass auch und gerade auf dem Binnenmarkt Lohnkosten die Entwicklung des Beschäftigungsangebotes wesentlich mit beeinflussen. Von der Vring kann zwar zeigen, dass pauschale Lohnsenkungen in keinem Verhältnis zu den möglichen positiven Beschäftigungszuwächsen liegen würden. Eine solche pauschale Lohnsenkung wird aber auch von niemanden gefordert und widerspricht auch marktwirtschaftlichen Grundsätzen. Für die Bechäftigung ist im Kern nicht entscheidend, ob die Löhne hoch oder niedrig sind, sondern ob sie sich an dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage orientieren oder nicht. Während die allgemeine Darstellung an Klarheit der Gliederung und Verständlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, ist der letzte, der empirische Teil, auf dem der darstellende Teil beruht, nur eine Aneinanderreihung von Tabellen, die für denjenigen, der nicht in der Materie steckt, nur schwer nachvollziehbar sind. Eine ausführlichere Erklärung der Berechnungen und das Zustandekommen der Ergebnisse wäre wünschenswert gewesen. Thomas von der Vring kritisiert, dass die Politik an den Konjunkturprognosen ausrichtet, die sich als extrem unzuverlässsig erwiesen haben. Er liegt wohl richtig, dass man auf längere Sicht die Entwicklung genauso wenig sicher vorhersagen kann wie das Wetter. Zustimmen kann man dem Autor auch, dass die Wirtschaftswissenschaften oft mit apodiktischen behauptungen arbeiten. Allerdings ist dieser Vorwurf ausgerechnet gegen Milton Friedman, der in seiner „Monetary History“ seine Thesen anhand von über hundert Jahren amerikanischer Geldgeschichte zu verifizieren suchte, nicht gerechtfertigt. Von der Vrings Untersuchung dieses begrenzten und durch die Folgen der Wiedervereinigung gekennzeichneten Zeitraums reicht als empirische Grundlage für allgemeine Schlussfolgerungen nicht aus. Würde man etwa als empirischen Bezugspunkt die gesamte Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland wählen, würde man zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Etwa in Hinblick darauf, dass das Wachstum in den fünziger und sechziger Jahren im Schnitt höher lag als die Wachstumsraten der siebziger, achtziger und neunziger Jahre, obwohl seit Beginn der siebziger Jahren der Staatsanteil schnell ausgeweitet worden ist. Das Ende der Vollbeschäftigung wurde in den siebziger Jahren mit einer expansiven Ausweitung der Staatsausgaben und der öffentlichen Beschäftigung eingeläutet. Dies zeigt, wie begrenzt der Aussagewert einer Untersuchung ist, die sich auf die reine Beschreibung statistischen Korrellationen in einem relativ kurzen Zeitraum beschränkt und dabei die wirtschafts- und sozialhistorischen Rahmenbedingungen völlig außen vor lässt.

Es gibt eine breite Diskussion darüber welche Wirtschaftspolitik Arbeitsplätze schafft. Thomas von der Vring setzt sich in seinem Buch mit der empirischen Beweisbarkeit der verschiedenen Annahmen auseinander. Von der Vring versucht die im Raum stehenden Thesen zu Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum anhand der Daten für die Bunderepublik im Zeitraum 1992 bis 2002 zu überprüfen.

Von der Vring stellt fest, dass in dem Untersuchungszeitraum Steuererhöhungen, zusätzliche Staatsausgaben und mehr Beschäftigung miteinander korrelierten. Außerdem ergibt sich aus seinen Zahlen eine größere Bedeutung der Binnennachfrage als der Exportwirtschaft. Von der Vring begründet damit die beschäftigungsfördende Wirkung höherer Löhne und von mehr staatlicher Beschäftigung. Von der Vring, der der SEP-Fraktion im Europaparlament angehörte, findet also weitgehende die tradidionelle sozialdemokratische Wirtschaftspolitik bestätigt.

Ein Punkt, an dem von der Vring stark von der traditionellen sozialdemokratischen Wirtschaftspolitik abweicht, ist die Frage der Staatsverschuldung. Vring möchte zwar zusätzliche Staatsausgaben, hält es aber für falsch, diese mit zusätzlichen Schulden zu finanzieren. Von der Vring bestreitet, dass es die Möglichkeit gibt, die Wirtschaft mit Schulden "anzukurbeln". Von der Vring möchte statt dessen die Steuern dauerhaft erhöhen und mit den Mehreinnahmen öffentliche Beschäftigung finanzieren.

Der Autor sieht durch seine statistischen Ergebnisse das sogenannte Haavelmo-Theorem bestätigt. Dies besagt, dass die Ausweitung des Staatsanteils zu einer Ausweitung des Wachstums führt. Wenn man die Logik des Theorems einmal zu Ende denkt, so kommt man zu dem Ergebnis, dass bei einer 100 prozentigen Besteuerung das Wachstum am Größten wäre. Dies ist ein theoretischer Einwand, es gibt aber auch einen Einwand gegenüber dem statistischen Ergebnis, der noch stärker ins Gewicht fällt: An zwei Stellen erwähnt von der Vring, dass die spezielle Lage in Ostdeutschland eine Rolle spielen könnte. Er geht aber auf diese historische Rahmenbedingung nicht weiter ein. Das ist aber der springende Punkt und die Archillesverse der gesamten Argumentation. Denn diese Ausnahmesituation der Wiedervereinigung verzerrt das gesamte Ergebnis.

Die Steuer- und Abgabenerhöhungen der neunziger Jahre flossen zum größten Teil in die Transferzahlungen für die neuen Bundesländer. Dort erzeugten die staatlichen Investitionen vor allem im beschäftigungsintensiven Bausektor ein fast zweistelliges Wachstum. Ein solches Wachstum ist nur in einem Wirtschaftsraum zu erreichen, der von einer sehr niedrigen Basis ausgeht. Unter historischen "Normalbedingungen" können staatliche Ausgaben schwerlich einen vergleichbaren Effekt auslösen.

Von der Vring kann überzeugend belegen, dass für den Beschäftigungsstand die Industrie nicht mehr die Bedeutung besitzt, die ihr die Statistik und die Wirtschaftswissenschaften noch immer beimessen und das sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Dienstleistungssektor richten muss.

Die Ergebnisse bestätigen die These von Hans-Werner Sinn, dass sich die deutsche Exportwirtschaft immer stärker aus Importen speißt, was Sinn als „Basar-Ökonomie“ bezeichnete. Dies ist ein Grund, warum sich die großen Exporterfolge nur noch begrenzt positivauf den Zuwachs der Beschäftigung auswirken können. Es lässt sich daher auch gut begründen, dass für diesen bereits sehr stark ausgelagerten und rationalisierten Sektor die Lohnkosten nur noch von begrenzter Bedeutung sind.

Daraus zieht Von der Vring die Schlussfolgerung, dass höhere Löhne durch die positive Auswirkung auf die Nachfrage nach Dienstleistungen stärker ins Gewicht fallen als mögliche Wettbewerbsnachteile durch die Hochlohnpolitik. Richtig ist, dass der tertiäre Sektor derjenige ist, der die größten Beschäftigungspotentiale bietet. Von der Vring vernachlässigt jedoch, dass auch und gerade auf dem Binnenmarkt Lohnkosten die Entwicklung des Beschäftigungsangebotes wesentlich mit beeinflussen.

Von der Vring kann zwar zeigen, dass pauschale Lohnsenkungen in keinem Verhältnis zu den möglichen positiven Beschäftigungszuwächsen liegen würden. Eine solche pauschale Lohnsenkung wird aber auch von niemanden gefordert und widerspricht auch marktwirtschaftlichen Grundsätzen. Für die Bechäftigung ist im Kern nicht entscheidend, ob die Löhne hoch oder niedrig sind, sondern ob sie sich an dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage orientieren oder nicht.

Während die allgemeine Darstellung an Klarheit der Gliederung und Verständlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, ist der letzte, der empirische Teil, auf dem der darstellende Teil beruht, nur eine Aneinanderreihung von Tabellen, die für denjenigen, der nicht in der Materie steckt, nur schwer nachvollziehbar sind. Eine ausführlichere Erklärung der Berechnungen und das Zustandekommen der Ergebnisse wäre wünschenswert gewesen.

Thomas von der Vring kritisiert, dass die Politik an den Konjunkturprognosen ausrichtet, die sich als extrem unzuverlässsig erwiesen haben. Er liegt wohl richtig, dass man auf längere Sicht die Entwicklung genauso wenig sicher vorhersagen kann wie das Wetter. Zustimmen kann man dem Autor auch, dass die Wirtschaftswissenschaften oft mit apodiktischen behauptungen arbeiten. Allerdings ist dieser Vorwurf ausgerechnet gegen Milton Friedman, der in seiner „Monetary History“ seine Thesen anhand von über hundert Jahren amerikanischer Geldgeschichte zu verifizieren suchte, nicht gerechtfertigt.

Von der Vrings Untersuchung dieses begrenzten und durch die Folgen der Wiedervereinigung gekennzeichneten Zeitraums reicht als empirische Grundlage für allgemeine Schlussfolgerungen nicht aus. Würde man etwa als empirischen Bezugspunkt die gesamte Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland wählen, würde man zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Etwa in Hinblick darauf, dass das Wachstum in den fünziger und sechziger Jahren im Schnitt höher lag als die Wachstumsraten der siebziger, achtziger und neunziger Jahre, obwohl seit Beginn der siebziger Jahren der Staatsanteil schnell ausgeweitet worden ist. Das Ende der Vollbeschäftigung wurde in den siebziger Jahren mit einer expansiven Ausweitung der Staatsausgaben und der öffentlichen Beschäftigung eingeläutet.

Dies zeigt, wie begrenzt der Aussagewert einer Untersuchung ist, die sich auf die reine Beschreibung statistischen Korrellationen in einem relativ kurzen Zeitraum beschränkt und dabei die wirtschafts- und sozialhistorischen Rahmenbedingungen völlig außen vor lässt.

geschrieben am 16.12.2007 | 864 Wörter | 5647 Zeichen

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